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Ernährung

Allergien

Allergietests helfen, den Auslöser von Lebensmittelallergien zu finden.
Lebensmittelallergien finden in der Öffentlichkeit ein breites Interesse. Sie werden als Ursache vielfältiger Beschwerden angesehen und lösen bei Betroffenen und deren Angehörigen viele Fragen und Unsicherheiten aus.

Doch viele als Lebensmittelallergie bezeichnete Symptome sind keine echten Allergien. Während 20 Prozent aller Erwachsenen in Umfragen angeben, unter einer Lebensmittelallergie zu leiden, gehen Experten davon aus, dass nur bei 2–3 Prozent der Bevölkerung tatsächlich eine Lebensmittelallergie vorliegt. Diese unterschiedliche Einschätzung ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass Unverträglichkeitsreaktionen auf Lebensmittel und ungeklärte Symptome oft fälschlicherweise als Allergie bezeichnet werden, ohne dass eine ärztliche und ernährungstherapeutische Allergiediagnostik durchgeführt wurde.

Was ist eine Allergie?


Der Begriff „Allergie“ ist eine Kombination aus den griechischen Wörtern „allos“ (= anders) und „ergon“ (= Wirkung). Allergie bedeutet demnach „andere Wirkung“, also eine Reaktion, die „anders“ ist, sozusagen von der Norm abweicht. Gemeint ist damit eine Überempfindlichkeitsreaktion auf an sich harmlose Substanzen aus der Umwelt, z. B. Pflanzenpollen, Tierhaare. Allergische Symptome sind individuell sehr unterschiedlich und reichen von eher harmlosen Schleimhautreaktionen bis zu ernsthaften Komplikationen wie im Einzelfall sogar Schockreaktionen. Insofern kann eine Allergie eine ernst zu nehmende Erkrankung sein.

Was passiert im Körper bei einer allergischen Reaktion?


Unser Körper ist täglich einer Vielzahl von Reizen ausgesetzt. Mit der Atemluft und der Nahrung gelangen permanent verschiedenartige körperfremde Substanzen in das Körperinnere. Für das Überleben des Organismus ist es notwendig, dass in Lunge und Darm zwischen harmlosen und bedrohlichen Substanzen unterschieden wird. Lebensnotwendige Stoffe (z. B. Sauerstoff, Nährstoffe) müssen dem Körper zur Verfügung gestellt werden, Krankheitserreger (z. B. Viren, Bakterien) und schädliche Substanzen müssen möglichst unschädlich gemacht werden, bevor sie Schaden anrichten. In der Regel funktionieren diese Prozesse, ohne dass wir etwas davon merken. Bei Allergikern ist das komplizierte Zusammenspiel der Immunzellen jedoch gestört. Die Immunzellen bilden Abwehrstoffe gegen an sich ungefährliche Substanzen, wie Pollen, Tierhaare oder Bestandteile der Nahrung.

Medizinisch gesehen ist eine Allergie eine krankmachende Überreaktion des körpereigenen Immunsystems auf die Aufnahme sonst harmloser körperfremder Substanzen. Beim ersten Kontakt des Körpers mit einer Allergie auslösenden Substanz (= Allergen) bilden Immunzellen spezifische Eiweißstoffe (= Antikörper), die wie beim „Schlüssel-Schloss-Prinzip“ genau an die Struktur des Allergens angepasst sind. Dieser erste Kontakt mit dem Allergen verläuft immer ohne Symptome. Erst bei einem erneuten Kontakt mit dem betreffenden Allergen kann dieses von den Immunzellen wiedererkannt und als schädlich eingestuft werden. Die Abwehrzellen werden daraufhin aktiv und setzen Botenstoffe (z. B. Histamin) frei, die verschiedene allergische Symptome, wie Niesreiz, Schnupfen, tränende Augen, Schwellungen, Hautrötungen oder Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Diese allergischen Reaktionen müssen nicht unbedingt gleich beim zweiten Kontakt mit dem Allergen erfolgen. Unter Umständen kann es Jahre dauern bis sich eine Allergie bemerkbar macht. Beim wiederholten Kontakt können dann bereits kleinste Mengen des Allergieauslösers zu Reaktionen führen. Wird der Auslöser gemieden, kommt es zu einer Verbesserung der Symptome, die bei erneutem Kontakt aber wieder auftreten.

Ist es wahr, dass es immer mehr Allergien gibt?


Laut Schätzungen ist jeder dritte Erwachsene von einer Allergie im weitesten Sinne betroffen. Am häufigsten sind allergische Reaktionen auf Pollen und Hausstaubmilben. Reaktionen auf Lebensmittel sind dagegen eher selten. Nur etwa 2 bis 3 Prozent der Erwachsenen leiden unter einer Lebensmittelallergie, bei Kindern sind es unterschiedlichen Schätzungen zufolge zwischen 4 und 8 Prozent.

Obwohl es keine repräsentativen Erhebungen über die Häufigkeit von Allergien gibt, gehen Experten davon aus, dass die Zahl der Allergien in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat. Es wird vor allem eine Zunahme der Häufigkeit von Pollenallergien beobachtet. Mögliche Gründe für die Zunahme sind:

  • veränderte Umwelteinflüsse (wie Klima, Schadstoffe)
  • Tabakrauch
  • ein verringertes Training des frühkindlichen Immunsystems (z. B. seltenere Infektionen, übertriebene Hygiene)
  • der Verzicht auf das Stillen bzw. das zu frühe Abstillen verbunden mit der verfrühten Gabe von artfremdem Eiweiß

Was ist eine Lebensmittelallergie?


Eine Lebensmittelallergie ist eine Unverträglichkeitsreaktion auf Lebensmittel, die durch eine Immunreaktion begleitet wird. Sie unterscheidet sich von anderen Unverträglichkeitsreaktionen dadurch, dass sogenannte IgE-Antikörper im Blut nachweisbar sind. Die Ursache für solche Reaktionen liegt nicht in der Qualität der Lebensmittel begründet, sondern ist eine individuelle Überreaktion bei entsprechend veranlagten Personen. Allergieauslöser sind natürliche Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, hauptsächlich Proteine (Eiweiße) und Glykoproteine (an Kohlenhydrate gebundene Proteine). Allergische Reaktionen auf Kohlenhydrate oder Fette wurden bisher nicht nachgewiesen. Grundsätzlich können alle Lebensmittel, die Eiweißverbindungen enthalten, zu allergischen Reaktionen führen. Die häufigsten Auslöser von Lebensmittelunverträglichkeiten in Deutschland sind Eiweißverbindungen in Obst und Gemüse, Nüssen, Gewürzen, Fisch und Meeresfrüchten, Getreide, Kuhmilch und Hühnerei.

Im Kindesalter richten sich die Reaktionen vornehmlich gegen Lebensmittel tierischen Ursprungs, jedoch auch gegen pflanzliche Lebensmittel wie Soja, Weizen und Erdnüsse. Bei Erwachsenen stehen eher pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse und Obst im Vordergrund. Im Erwachsenenalter bleiben Lebensmittelallergien in der Regel lebenslang bestehen. Bei Kindern treten Lebensmittelallergien vor allem in den ersten drei Lebensjahren auf und verschwinden häufig bis zur Einschulung wieder.

Wie macht sich eine echte Lebensmittelallergie bemerkbar?


Die Symptome einer Lebensmittelallergie treten üblicherweise innerhalb weniger Minuten oder einiger Stunden nach der Aufnahme des Allergens auf. Die allergische Reaktion ist individuell unterschiedlich stark ausgeprägt und kann den ganzen Körper betreffen oder sich auf bestimmte Organe beschränken. Am häufigsten betroffen sind Haut, Mund- und Rachenraum sowie Magen-Darm-Trakt. In seltenen Fällen kann es sogar zu einer Schockreaktion des Körpers (anaphylaktischer Schock) kommen, vor allem bei hochgradig sensiblen Erdnuss-, Nuss- und Fischallergikern.


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