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27.06.2017 | Unerwünschte Stoffe, Wissenschaft

MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester: Wichtige Meilensteine zur Minimierung erreicht

Erstes international ausgerichtetes Symposium in Berlin
Gerhard Brankatschk, stellvertretender Geschäftsführer von OVID, und Dr. Birgit Christall, Wissenschaftliche Leitung beim BLL, begrüßen die mehr als 200 Teilnehmenden. Vergrößern
Auf großes Interesse aus aller Welt ist das erste international ausgerichtete Symposium zu MCPD- und Glycidyl-Fettsäureestern letzte Woche in Berlin gestoßen, wie BLL, OVID und die Deutsche Gesellschaft für Fettwissenschaft (DGF) heute mitteilten. Die Experten disktuierten erreichte Meilensteine ebenso wie fortbestehende Herausforderungen.

Vom 20. bis zum 21. Juni 2017 haben mehr als 200 Teilnehmer aus der Lebensmittelwirtschaft, der Wissenschaft und von Behörden aus 30 Ländern im Rahmen des Symposiums „MCPD Esters and Glycidyl Esters Analytics, Toxicology, Risk Assessment, Mitigation – Where we are today?“ eine Standortbestimmung vorgenommen und sich über neue Ergebnisse und Entwicklungen ausgetauscht. Dabei wurde deutlich, dass zehn Jahre nach dem erstmaligen wissenschaftlichen Nachweis der in Lebensmitteln unerwünschten Fettsäureester wichtige Meilensteine in der Analytik, der Toxikologie und bei der Minimierung erreicht sind. Gleichzeitig zeigte die Veranstaltung auf, dass trotz intensiver Forschung in Wissenschaft und Praxis bislang noch nicht alle Herausforderungen zufriedenstellend gelöst werden konnten. Das Symposium wurde von der DGF veranstaltet und mit maßgeblicher Unterstützung von OVID und BLL durchgeführt.

Anerkannte Analysemethoden gewährleisten Vergleichbarkeit und Belastbarkeit von Daten


Belastbare Daten zur Risikobewertung sind für einen umfassenden gesundheitlichen Verbraucherschutz essentiell. Im Rahmen des Symposiums wurde deutlich, dass inzwischen die drei offiziell anerkannten Analysemethoden der AOCS (American Oil Chemists Society) für 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester in Fetten und Ölen weltweit eingesetzt werden. Dies ermöglicht eine hohe Vergleichbarkeit und Belastbarkeit der Gehaltsdaten.

Bildung der Ester-Vorstufen vermeiden


Lebensmittelsicherheit ist für alle Akteure in der Lebensmittelproduktion zentral. „Das Symposium verdeutlichte, dass alle Beteiligten auf einem guten Weg sind: Wir kennen nun weitgehend die Bildungswege für die MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester. Dies erlaubt es, Minimierungsstrategien gezielter weiter zu entwickeln, die auf allen Stufen der Herstellung – vom Anbau der Rohstoffe bis zum Endprodukt – wirken. Ein Ziel besteht darin, die Bildung der Vorstufen der Ester zu vermeiden. Solche Minimierungsstrategien werden zukünftig mehr an Bedeutung gewinnen“, so Dr. Bertrand Matthäus, stellvertretender Leiter des Instituts für Sicherheit und Qualität bei Getreide des Max Rubner-Instituts (MRI) und Vorstandsmitglied der DGF.

Toolbox zur Minimierung


Dr. Birgit Christall, Wissenschaftliche Leitung beim BLL, stellte im Rahmen der Veranstaltung die BLL-Toolbox vor, die auf großes Interesse bei den Teilnehmern stieß und bereits erfolgreich in der Praxis eingesetzt wird. Die Toolbox ermöglicht es Anwendern, in Forschung und Praxis vorhandene Kenntnisse und Erfahrungen zu nutzen, um den Gehalt an 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureestern in ihren Produkten entsprechend zu senken.



Code of Practice: Bildung in Palmöl verringern


Auch auf internationaler Ebene gibt es neue Entwicklungen zu vermelden: Das Malaysian Palm Oil Board (MPOB) kündigte im Rahmen des Symposiums an, bis 2019 einen Code of Practice zur Verringerung der Bildung der MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester in Palmöl zu entwickeln. „Palmöl ist eines der wirtschaftlich bedeutendsten pflanzlichen Öle in der Lebensmittelproduktion. Dieses Vorhaben stellt damit einen entscheidenden Schritt für den gesundheitlichen Verbraucherschutz dar, um die unerwünschten Kontaminanten einzudämmen“, kommentiert Gerhard Brankatschk, stellvertretender Geschäftsführer von OVID.

Das Symposium wurde erstmals international ausgerichtet: Aus Sicht von Gerhard Brankatschk die richtige Entscheidung, denn die Entwicklungen zeigen, dass der Umgang mit diesen unerwünschten Stoffen ein globales Thema ist.

Wichtiger Schritt zu einer realistischen Risikobewertung


Mehr Klarheit brachte die Veranstaltung in Fragen der Risikobewertung: Bisher war wenig bekannt, warum die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der gemeinsame FAO/WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe und Kontaminanten (JECFA) zu einer unterschiedlichen tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge (TDI) für 3-MCPD kamen. Wie sich zeigte, ist dies unterschiedlichen Berechnungsmodellen geschuldet. Derzeit überprüft die EFSA den von ihr ermittelten TDI nochmals mit Hilfe verschiedener Berechnungsmodelle. Die Veranstalter sehen hierin einen wichtigen Schritt hin zu einer realistischen Risikobewertung und damit eines entsprechenden Risikomanagements.

Praxistauglichkeit verfügbarer Maßnahmen


Das Symposium hat verdeutlicht, dass zur Minimierung der Ester zwar eine Reihe von Maßnahmen zur Verfügung steht. Diese sind jedoch sehr komplex und können nur schrittweise in die Praxis umgesetzt werden, um auch andere Anforderungen an Produktqualität und Lebensmittelsicherheit weiterhin gewährleisten zu können.


Weiterführende Informationen zum Thema MCPD- und Glycidyl-Fettsäurester auf unserer Website:


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