Eine Ampel gehört nicht auf Lebensmittel
Keine nationalen Alleingänge bei Nährwertkennzeichnung
Berlin, 04.02.2009
Wissenschaftlichkeit und Sachlichkeit zeichneten das gestrige Gespräch zur Nährwertkennzeichnung aus, zu dem Bundesministerin Ilse Aigner Vertreter der Lebensmittelwirtschaft, Wissenschaft, Bundesländer, Verbraucher und Gewerkschaft in Berlin eingeladen hatte. "In dem konstruktiven Gespräch wurde deutlich, dass wissenschaftliche Grundlagen einer Farbkennzeichnung völlig fehlen und die Bewertung einzelner Lebensmittel unsinnig ist", kommentiert Prof. Dr. Matthias Horst, Hauptgeschäftsführer des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. den gemeinsamen Dialog. "Wir stehen zu einer sachlichen Nährwertkennzeichnung, die es jedem ermöglicht, die für ihn sinnvolle Zusammenstellung von Lebensmitteln zu treffen – und dies ohne Bevormundung. Wir haben unser weiteres Engagement hierfür zugesagt", so Horst.
Die Lebensmittelwirtschaft hatte in den letzten Jahren ihre freiwilligen Leistungen und Initiativen zur Nährwertkennzeichnung stetig weiter ausgedehnt; bereits vor eineinhalb Jahren waren zwei Drittel der Lebensmittel mit einer Kennzeichnung der Nährwerte versehen, darunter auch das Modell des Nährwertkompasses mit GDA-Kennzeichnung (Guideline Daily Amount), d. h. dem Richtwertbezug von Nährstoffen in einer Portion. Heute werden es weitaus mehr sein, und dies ohne eine bürokratische Regelung. "Wir werden gemeinsam die Verbraucher weiter unterstützen, die Nährwertangaben gut zu verstehen und sie in ihrem Ernährungsalltag nützlich zu verwenden, insbesondere die wichtige Kalorienangabe", verspricht Horst.
Zu gesetzlichen Regelungen waren sich die Gesprächsteilnehmer einig: Im Rahmen der Diskussionen auf europäischer Ebene zum Verordnungsvorschlag zur Verbraucherinformation müsse ein einheitlicher Weg gegangen werden. Nationalen Alleingängen soll damit eine Absage erteilt werden. Auch Deutschland soll von eigenen Regelungen Abstand nehmen. Es gelte, einen vernünftigen Input in das Verfahren einzubringen. Hierzu wird es weitere Gespräche der Beteiligten in diesem Kreis geben, um zu einer guten Lösung zu kommen. Basis muss nach Ansicht der Lebensmittelwirtschaft der Grundsatz "Weniger ist mehr" sein. Eine Konzentration auf die zentrale Information zum Kaloriengehalt und die Hauptnährstoffe sei für Verbraucher verständlicher als eine weitere Ausdehnung der Nährwertangaben.
Das vermeintlich einfache Ampelmodell hat jedoch noch viele Anhänger, die der Meinung sind, der Verbraucher wäre nicht in der Lage, eine faktische Kennzeichnung zu verstehen. Die Meinung hält sich, obwohl neueste Studien bewiesen haben, dass Ampelfarben falsch verstanden werden und dem Verbraucher irreführende und widersprüchliche Signale geben.
Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL)
Der BLL ist der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft. Ihm gehören ca. 500 Verbände und Unternehmen der gesamten Lebensmittelkette – Industrie, Handel, Handwerk, Landwirtschaft und angrenzende Gebiete – an.
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Publikationen
- Zehn Fragen und Antworten zum Mindesthaltbarkeitsdatum
- Broschüre "Lebensmittelkennzeichnung verstehen"
- Faltblatt Nährwertinformation verstehen
- Unterrichtseinheit "Nährwertinformation verstehen"
Weitere Inhalte
- Pressemitteilung:
Lebensmittelwirtschaft macht sich für einheitliche Nährwertkennzeichnung in Europa stark
- Pressemitteilung:
BLL und NGG: Neue EU-Lebensmittelinformations-Verordnung muss Engagement der Lebensmittelwirtschaft anerkennen und Rücksicht auf Belange von Verbrauchern und Wirtschaft nehmen
Pressemitteilungen
- 16.06.2010 - Künftige Nährwertkennzeichnung in Europa
BLL: Ablehnung der Ampel durch das Europäische Parlament ist ein Sieg der Vernunft
- 22.04.2010 - GfK-Studie: Nahezu flächendeckende Nährwertkennzeichnung bei Lebensmitteln erreicht – Quote bei über 80 %





