BLL - Bund für Lebensmittelrecht und LebensmittelkundeBLL - Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde

Woher kommst du? Lebensmittel und ihre Herkunft


Die Angabe, woher ein Lebensmittel kommt, ist für einige Lebensmittel durch Verordnungen garantiert, etwa bei nativem Olivenöl, Rindfleisch und zukünftig auch für das Fleisch weiterer Tierarten. Auch die Herkunftsländer von Obst und Gemüse müssen angegeben werden. So weiß der Verbraucher bei vielen Lebensmitteln, woher ein Produkt stammt.

Bei verarbeiteten Lebensmitteln, die aus vielen verschiedenen Zutaten zusammengesetzt sind, wird diese Festlegung schwierig. Tagtäglich produzieren Hersteller für Millionen Menschen Lebensmittel, für die Zutaten immer verfügbar sein müssen und das zu einem annehmbaren Preis. Daher könnten die Kartoffeln einer Kartoffelsuppe z. B. mal aus Deutschland, mal aus Frankreich, mal aus Italien kommen.

Es gibt aber freiwillige Herkunftssiegel, die eine besondere Herkunft signalisieren:

Die Bezeichnungen von traditionellen Lebensmitteln mit besonderer Herkunft sind europaweit durch die "EG-Gütezeichen" geschützt. "Allgäuer Bergkäse": Er ist mit dem Siegel "g.U." gesichert. Die Abkürzung steht für "geschützte Ursprungsbezeichnung". Für den Bergkäse bedeutet das, dass er nur diesen Namen tragen darf, wenn er tatsächlich im Allgäu produziert wird und dem Gebiet seine Güte oder Eigenschaften verdankt. Die Regelung verhindert, dass ursprüngliche Spezialitäten andernorts unter diesem Namen hergestellt werden.

Ein weiteres EG-Gütezeichen ist "g.g.A.", die "geschützte geografische Angabe". Bei ihr muss mindestens ein Verarbeitungsschritt, zum Beispiel die Endzubereitung, in dem genannten Gebiet erfolgen; es handelt sich dabei um Produkte, die ihre Qualität, ihr Ansehen oder eine andere Eigenschaft dem Gebiet verdanken. Ein berühmtes Beispiel ist Lübecker Marzipan. In Lübeck wachsen aufgrund des dortigen Klimas keine Mandeln. Sie müssen aus anderen Gebieten zugeliefert werden, je nach Angebot, Preis, Ernteergebnis und Verfügbarkeit. Doch auch wenn die Mandeln nicht aus Lübeck kommen, zweifelt keiner Lübeck als Herkunftsort des Marzipans an. Das Gütesiegel garantiert, dass das Marzipan in Lübeck final produziert wurde. Gleiches gilt für Düsseldorfer Löwensenf: Senfkörner können schließlich nicht in Düsseldorf geerntet werden. Geschützt wird die für das Produkt entscheidende Herstellungsstufe, der es seinen besonderen Ruf verdankt.

Ein drittes europäisches Gütezeichen ist das "g.t.S." – Siegel. Die Abkürzung gilt für Lebensmittel, die eine "garantiert traditionelle Spezialität" sind. Sie bezieht sich jedoch nicht auf die Herkunft. Die Erzeugnisse können überall in der Europäischen Union hergestellt oder verarbeitet werden, sie zeichnen sich entweder durch traditionelle Zusammensetzung oder durch ein traditionelles Herstellungs- und oder Verarbeitungsverfahren aus. Mozzarella ist ein Beispiel für ein "g.t.S."-Produkt.


(Bildnachweis: http://ec.europa.eu)


Zusätzlich wird auf Produkte aus der Region besonders hingewiesen und so Informationen über die Herkunft eines Lebensmittels vermittelt. Teilweise sind diese sogar noch genauer. In einigen Bundesländern vergeben Initiativen auf Basis privatrechtlicher Standards Logos, beispielsweise "Geprüfte Qualität – Bayern" oder "Prignitzer Weiderind". Die meisten Projekte beziehen den Naturschutz und besondere Qualitätsmerkmale bei der Bewertung ein.

Mehr Zutaten, mehr Herkunftsorte, mehr Aufschriften –
Mehr Unverständnis beim Leser


Die Frage, ob ein Apfel vom Bodensee oder aus Chile kommt, ist ohne Zweifel leicht zu beantworten, denn der Anbauort der unverarbeiteten Frucht kann eindeutig angegeben werden. Doch die Herkunft eines Lebensmittels ist bei zusammengesetzten Produkten weniger einfach zu beschreiben. Die verwendeten Zutaten werden mit großer Wahrscheinlichkeit an unterschiedlichen Orten hergestellt. So zum Beispiel eine Pizza mit Schinken und Pilzen: Sie wird in Deutschland gebacken, der Belag besteht z. B. aus italienischem Schinken, Salami aus Österreich und holländischen Pilzen. Das Mehl kommt aus Polen, die Milch wiederum aus Deutschland. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass die Herkunft eines Produktes umso schwerer zu bestimmen ist, je mehr Zutaten es beinhaltet und je mehr Schritte zu dessen Herstellung notwendig sind. Weisen die Hersteller alle Informationen über sämtliche Zutaten auf einer Verpackung aus, verliert der Konsument schnell den Überblick. Beispielsweise würde bei einem Pfannengemüse die Herkunftskennzeichnung leicht die ganze Verpackungsfläche einnehmen. Eine solch ausführliche Darstellung übersteigt das Informationsbedürfnis des Verbrauchers und lenkt zudem vom Wesentlichen ab: Die wichtigsten Informationen zur Herkunft von Lebensmitteln sind durch bestehende gesetzliche Regelungen vorgeschrieben.

Weitere Inhalte

Fachthemen

Mitglieder-Login


Lesetipps
LesetippsHier finden Sie eine kleine Auswahl von Büchern und Broschüren, die für "Lebensmittelklarheit" sorgen, z. B. das Online-Buch "Feines aus dem Einkaufskorb" vom Verband der Hersteller kulinarischer Lebensmittel e. V. mehr
BLL-Publikationen
Broschüre Verbraucherinformationen der Lebensmittelwirtschaft
Broschüre Verbraucherinformationen der Lebensmittelwirtschaft<br/>Maßnahmen der Unternehmen und ihre Nutzung durch die Verbraucher Die Unter- nehmen der Lebensmittel- wirtschaft stehen im regelmäßigen und intensiven Kontakt mit Verbrauchern. Diese haben immer die Gelegenheit, sich mit den Herstellern in Verbindung zu setzen, per Telefon, E-Mail oder über das Internet. Beispielhaft berichtet die Broschüre von verschiedenen Informationsinitiativen der Lebensmittelwirtschaft. mehr Download
Zusatzstoffe in Lebensmitteln
Zusatzstoffe in LebensmittelnWas sind Zusatzstoffe? Wie werden Sie eingesetzt? Wie werden Sie kontrolliert? Antworten auf diese Fragen und weitere wichtige Informationen zu Zusatzstoffen finden Sie hier mehr
BLL-Pressemitteilungen
18.04.2012
BLL widerspricht Verbraucherzentrale Bundesverband: Qualitätswettbewerb im Lebensmittelmarkt funktioniert
mehr