Veranlagung von Übergewicht? Die Rolle der Genetik
Ein Übersichtsartikel von Bouchard fasst den Forschungsstand bis 2001 über die Rolle der Genetik - also der Veranlagung - für Übergewicht und Fettsucht in zwei Themenblöcken zusammen. Der erste Teil beschäftigt sich mit der anteiligen Rolle der Veranlagung zum Übergewicht im Allgemeinen, der zweite Teil geht speziell auf die Arbeiten und Ergebnisse der Genforschung ein.
Dass Veranlagung Einfluss auf die Entstehung von Übergewicht nimmt, ist unbestritten. Über den quantitativen Anteil genetischer Faktoren für das Entstehen von Übergewicht herrscht trotz der großen Anzahl von Studien unter den Wissenschaftlern jedoch kein Konsens. Unterschiede lassen sich verschiedenen Studiendesigns zuordnen. Je nachdem, ob es sich um Familien-, Adoptions-, oder Zwillingsstudien handelt, liegt ein der Veranlagung zuzuordnender beobachteter Effekt auf die Entstehung von Übergewicht zwischen 25 und 70%.
Fest steht, dass das Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit zwischen Familien unterschiedlich ausfällt. Das eigene Risiko, moderat adipös zu werden ist in Familien, in denen Übergewicht oder Adipositas bereits vorkommt, doppelt bis dreimal so hoch als in Familien, in denen Übergewicht bisher nicht vorkommt; das Risiko, eine schwere Adipositas zu entwickeln, ist in diesem Fall sogar fünf- bis achtmal so hoch.
Im zweiten Teil geht der Autor auf die Strategien der Genforschung zur Identifizierung von Genen und chromosomalen Regionen ein, die zur Veranlagung von Übergewicht beitragen könnten. Einzelne wenige Gendefekte sind bereits bekannt. Sie verursachen die fehlerhafte oder unterdrückte Bildung von Proteinen, welche eine Rolle bei der Regulierung des Energiegleichgewichts innehaben. Dies sind Signalmoleküle oder Rezeptoren, die für die Weiterleitung von Signalen zuständig sind. Diese bislang bekannten Gendefekte erklären allerdings einen nur sehr geringfügigen Anteil von Fettleibigkeit in der Bevölkerung.
Seit den 90er Jahren ist darüber hinaus 50 Genen und mehreren chromosomalen Regionen eine Rolle für die Regulierung der Energiebilanz oder der Nährstoffverteilung, dem BMI oder gar dem Eintrittsalter für Fettleibigkeit in Studien zugeordnet worden. Die Ergebnisse dieser Studien werden allerdings kontrovers diskutiert
Quelle:
Bouchard, CL (2001): Genetics in Human Obesity: Recent Progress. Bulletin et memoires de l'Academie royale de medicine de Belgique, Vol 156 (10-12), S455-464.
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